Historisches

Weinbau in Lahnstein

Heute ist kaum mehr vorstellbar, dass der Weinbau – in Lahnstein 1247 erstmals urkundlich erwähnt – im 18. Jahrhundert ein Gutteil des Erwerbs der vorwiegend vom Ackerbau lebenden Lahnsteiner Bevölkerung ausmachte.

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Bildquelle: Kalender 2015 Druckerei Kring, Lahnstein

Der Koppelstein-Felsen war ehemals ganz von Weinbergen, den heute noch bestehenden Weinlagen „Lahnsteiner Koppelstein“ und „Braubacher Koppelstein“, umgeben.

Der letzte Lahnsteiner Weinberg, der heute den Lahnsteiner Wein hervorbringt, liegt in Südwestlage im Gebiet „Im Karstel“. Er wird von Frank Lambertin seit 2010 bewirtschaftet.

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Bildquelle: Stadtarchiv Lahnstein und teilweise mit freundlicher Genehmigung von Frau Margarethe Reutter

Ursprünglich erstreckten sich die Niederlahnsteiner Weinberge von den Hängen an Rhein und Lahn bis in die Gemarkung. Um 1800 nennt das Niederlahnsteiner Gewerbesteuerkataster 143 „Weingutsbesitzer“ in ca. 20 Weinbergslagen. 1877 gab es noch ca. 25 Hektar Weinberge, die knapp 450 hl Wein erbrachten, ein Drittel davon Rotwein. Oberlahnstein zählte im gleichen Jahr ca. 77 Hektar Weinbergsland, auf dem in einem guten Erntejahr schon mal. 1.100 hl Wein erwirtschaftet wurden, fast ausschließlich Weißwein. Die Weingärten zogen sich „von der Bergwand hinab in die Thalniederung“, dort am Rhein entlang in Richtung Braubach. Hauptrebsorte war im 18. Jahrhundert der Elbling, auch Kleinberger genannt. Dieser wurde später durch die widerstandsfähigere Rieslingrebe ersetzt. In Niederlahnstein wurden auch Frühburgunderreben angebaut, die einen hellen Rotwein ergaben. Später wurden die Weinberge in den Rheinniederungen wegen der häufigen Frühjahrsfröste, die die Traubenblüte empfindlich schädigten, in Obstbaumpflanzungen umgewandelt. Neue Wingerte wurden in den höher gelegnen Rheinseitentälern angelegt, wie Grenbach, Helmesthal, Girstel, Karstel, im Weihertal und am Koppelstein.

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Bildquelle: Stadtarchiv Lahnstein und teilweise mit freundlicher Genehmigung von Frau Margarethe Reutter

Nach einer Verordnung von 1876  war jeder Weinbergsbesitzer gehalten, seinen Weinberg zu pflegen,  d.h. von Insekten, schädlichen Tieren und Unkraut freizuhalten. In den 1870er und 1880er Jahren hatte die Reblausseuche in Westeuropa und in Deutschland die Ernteerträge stark dezimiert. Um die Ausbreitung  der Seuche zu verhindern, mussten die Weinberge jährlich von Reblauskommissionen untersucht und festgestellte Reblausherde völlig vernichtet werden. Erst durch die Rebenveredelung, als auf das reblausimmune Wurzelstück amerikanischer Reben das Holz von deutschen Edelreben gepfropft wurde, konnte man der Seuche Herr werden. Deshalb beschloss die Stadtverordnetenversammlung von Oberlahnstein im Jahre 1909 eine Staatliche Rebenschule zu errichten. Zur Errichtung von Gebäuden für diese Rebenveredelungsanstalt wurde dem Staat ein Gelände  von 25 Ar südlich der Stadt verkauft und weiteres Gelände verpachtet.

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Bildquelle: Stadtarchiv Lahnstein und teilweise mit freundlicher Genehmigung von Frau Margarethe Reutter

1897 gründeten die Oberlahnsteiner Winzer einen Winzerverein, der ein Jahr später die Ausschankgenehmigung für Naturweine in der Oststraße 45 (heute Wilhelmstraße) erhielt. Als Winzerkeller wurde der ehemalige Keller der kurfürstlichen Salkellerei unter der Druckerei Schickel in der Hochstraße angemietet. Dort lagen die Weinfässer in zwei Reihen übereinander. Die meisten Fässer waren Stückfässer (1200 Liter), das größte hatte ein Volumen von 4200 Litern. Wenn alle Fässer – in einem guten Herbst – gefüllt waren, konnten 43.000 Liter Wein dort gelagert werden. Gekeltert wurde in einer großen Doppelkelter und einer weiteren Kelter, die heute am Pulverturm in der Hintermauergasse steht.

1897 wurde auch in Niederlahnstein ein Winzerverein gegründet. Ziel war es, „durch Einsammeln und gemeinsames Keltern der Trauben der Mitglieder reine Weine zu erzielen, diese einheitlich zu behandeln und sodann durch gemeinschaftlichen Verkauf möglichst hoch zu bewerthen.“ Viele Winzer lieferten fortan ihre Trauben in den Winzervereinen ab. Die Zeit der Weinlese wurde durch den Bürgermeister oder das Feldgericht festgesetzt und öffentlich bekannt gemacht. In Niederlahnstein wurde meist an zwei, in Oberlahnstein an fünf Tagen gelesen, je nach Jahrgang zwischen Mitte und Ende Oktober. Die Jahre bis zum 1.Weltkrieg brachten den Winzern nur mäßige Erträge, abgesehen vom Jahr 1911, das dem Rheingau einen Jahrhundertwein bescherte. So wundert es nicht, dass – besonders in Niederlahnstein – immer mehr Weinberge in Obstkulturen und Erdbeerfelder umgewandelt wurden. Das hatte zur Folge, dass sich der Niederlahnsteiner Winzerverein durch Beschluss der Generalversammlung vom 17. Dez. 1914 auflöste.

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Zu sehen sind die Familien Wollschlag und Krewer.
Bildquelle: Stadtarchiv Lahnstein und teilweise mit freundlicher Genehmigung von Frau Margarethe Reutter

Nach dem 1. Weltkrieg wurden noch einmal Wingerte in Oberlahnstein angelegt, weil man auf diese Weise zu einem kleinen Nebenerwerb gelangen konnte. Karstel, Girstel, im Helmestal, im Weihertal und am Koppelstein waren nun die neuen Lagen in den Rheinseitentälern, die bis zur Auflösung des Winzervereins bewirtschaftet wurden. Der Wein wurde verkauft und auch im vereinseigenen Winzerhaus, Burgstraße, zum Ausschank gebracht.

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Weinlese Im Karstel (1948) – Das ganze Tal war noch voller Weinstöcke
Bildquelle: Stadtarchiv Lahnstein und teilweise mit freundlicher Genehmigung von Frau Margarethe Reutter

Als die Konkurrenz – besonders auch durch ausländische Weine aus den EWG-Staaten – zu groß geworden war und die harte Arbeit in den Weinbergen sich nicht mehr lohnte , beschlossen die Winzergenossen, den Verein mit dem Winzerverein in Eltville zu fusionieren. Damit war 1972 das Ende des Oberlahnsteiner Winzervereins gekommen. Der Salkeller wurde geschlossen und freigeräumt, Schrägaufzug und Spülmaschine verkauft. Das Winzerhaus in der oberen Burgstraße erwarb Familie Krapf.

Die staatliche Rebenschule zur Rebenveredelung, die nichts mit dem Winzerverein zu tun hatte, wurde 1964 geschlossen. Auf ihrer Fläche wurde der Friedhof erweitert und die Stadtgärtnerei angelegt. Viele Weinberge mussten der Umgehungsstraße geopfert werden. Die noch heute bewirtschaftete Lage Lahnsteiner/ Braubacher Koppelstein umfasste 1979 für beide Gemarkungen gemeinsam 11,5 Hektar, auf denen ca. 85% Riesling, 10% Müller-Thurgau und 5 % andere Sorten angebaut wurden.

 

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Weinlese 2011
Bildquelle: Frank Lambertin

 

Erhalten haben sich die Weinlagen in manchen Straßennamen wie z.B.

Auf`m Kissel,
Auf der oberen Au,
Horchheimer Höll,
Im Plenter,
Becherhöll,
Taubhausstraße („Auf´m Daubhaus“),
Im Mückenberg,
Im Harlos,
Im Machert,
In der Grub,
Im Vogelsang,
Im Mückenberg,
Im Eichen,
Im Mittelgesetz,
Im Kammert,
Im Weierchen,
Im Pardell,
Im Bauerntal,
Grenbach,
Zum Helmestal,
Im Weihertal,
Im Karstel.

Die Ausführungen stammen im Wesentlichen aus den Beiträgen von Herbert Roth in der Stadtgeschichte und im Kreisheimatjahrbuch 1999.

 

Das Stadtarchiv Lahnstein unter Leitung von Herrn Bernd Geil hat uns diesen Artikel freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Er wurde im Rhein-Lahn-Kurier unter der Rubrik “Lahnstein hat Geschichte” unter der Nummer 40/2008 am 03.10.2008 veröffentlicht.

Vielen Dank an dieser Stelle der Stadt Lahnstein, dem Stadtarchiv und Herrn Bernd Geil.